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Longstay

10.10.2016 12:56:00
von Felix Menzel

Anett Gregorius, Inhaberin von Boardinghouse Consulting & Veranstalterin des SO!APART-Branchentreffens

 

Seit der Aufnahme des Siegels „Certified Serviced Apartment“ hören wir ohne Unterbrechung, dass sich der Nischenmarkt für das „Wohnen auf Zeit“ weiter positiv entwickelt. Es scheint kein Ende dieses Trends in Sicht. Im November treffen sich Betreiber, Projektentwickler und Investoren von Aparthotels und Boardinghäusern in Berlin zu einer zweitägigen Konferenz und abendlichen Awardverleihung.

Wir fragen nach bei Anett Gregorius, Inhaberin von Boardinghouse Consulting, Betreiberin der Vermittlungsplattform apartmentservice.de und Initiatorin und Veranstalterin des SO!APART-Branchentreffens.

Frau Gregorius, welchen Anteil nehmen die Übernachtungen in sogenannten Serviced Apartments im Vergleich zur Unterbringung in Hotels ein?
Leider werden die Übernachtungen in Serviced Apartments nicht separat durch das statistische Bundesamt erfasst, so dass ich Ihnen den Anteil nicht exakt beziffern kann. Gehen wir jedoch von rund 24.000 Serviced Apartments in Deutschland aus (hier sind nur Häuser mit mindestens 15 Einheiten berücksichtigt) und berücksichtigen die Auslastung, so produzierte das Segment 2015 6,7 Mio. Übernachtungen. Dies entspricht rund 2,8 Prozent der Übernachtungen in Hotels und Hotels garni in 2015.

Was sind die wesentlichen drei Vorteile von Serviced Apartments aus Ihrer Sicht für die Gäste?
Größere Apartmenteinheiten mit mehr Raum und mehr Individualität, die Möglichkeit zur Selbstversorgung und natürlich die Kostenersparnis im Vergleich zu einem vergleichbaren Hotelzimmer.

Welche Faktoren ermöglichen es, dass die Preise bei längeren Aufenthalten deutlich unter Hotelniveau liegen? Was lässt sich im Schnitt einsparen?
Die Preise von Serviced Apartments liegen 20 bis 50 Prozent unter dem Preisniveau qualitativ vergleichbarer Hotelzimmer. Damit können Sie einen höheren Mehrwert bei niedrigeren Kosten bieten. Der Preisvorteil erklärt sich über das Konzept, da Serviced Apartments nicht gleichermaßen dienstleistungsintensiv sind wie Hotels (eingeschränkte Services, längere Aufenthalte etc.). In der Regel werden eine Vielzahl von Services (wie Restaurant, Bar oder Fitness) durch externe Kooperationspartner geleistet. Daher bleibt die eigene Kostenstruktur für den Betreiber schlank, aber der Gast muss auf nichts verzichten.

Welche Gästegruppen steigen vorrangig in Serviced Apartments ab?
Die Hauptzielgruppe von Serviced Apartments sind eindeutig Geschäftsreisende. Das bestätigen auch die Zahlen unseres letzten Marktreports. Dort gaben die Betreiber in Deutschland an, dass rund 72 Prozent aller Gäste Geschäftsreisende seien.

Wie ist das Buchungsverhalten, gibt es Unterschiede zur Hotelzimmerbuchung?
Ja, die gibt es. Hotelzimmer werden vorrangig über OTA’s wie booking.com oder hrs.de gebucht. Serviced Apartments sind für kurzfristige Aufenthalte auch sehr gut über die oben genannten Kanäle online buchbar. Für langfristige Aufenthalte über einen Monat finden die Buchungen jedoch häufig telefonisch oder schriftlich direkt über den Anbieter und über spezialisierte Agenturen, wie beispielsweise unseren Apartmentservice statt. Im Hinblick auf die Buchbarkeit verändert sich der Markt derzeit; erste Möglichkeiten der Onlinebuchbarkeit im Longstay entstehen. Auch wir werden in Kürze eine entsprechende Lösung auf unserem Portal zur
Verfügung stellen.

In welchen Städten gibt es Serviced Apartments?
Serviced Apartments gibt es in fast jeder größeren Stadt. Ein breites Angebot findet sich vor allem in den Großstädten wie Frankfurt, Berlin und München. In jüngster Vergangenheit haben viele Projektentwickler aber auch B-Destinationen für neue Serviced-Apartment-Projekte ins Auge gefasst, so dass wir uns auf ein wachsendes Angebot auch in kleineren Städten freuen können.

Erkennen Sie unterschiedliche Anforderungen von Geschäftsreisenden und Familien?
Ja, definitiv und zwar sowohl die Ausstattung als auch die Lage der Apartments betreffend. Geschäftsreisende legen zum Beispiel viel Wert auf einen gut beleuchteten, ausreichend großen und mit allen notwendigen Anschlüssen ausgestatteten Arbeitsplatz. Was die Lage der Apartments angeht, so sollten diese zentral gelegen sein mit einer schnellen Verbindung zum temporären Arbeitsplatz. Zudem präferieren Geschäftsreisende aus Kostengründen häufig 1-Zimmer-Apartments. Familien hingegen legen stärkeren Wert auf eine gute Raumaufteilung und präferieren 2- bis 3-Zimmer-Apartments sowie eine ruhige, familienfreundliche Umgebung mit schnellem Zugang zur City.


Es gibt ja auch „Hybridmodelle“, also Hotels, die in ihren Zimmern eine kleine Küche integriert haben, aber eigentlich wie ein normales Hotel funktionieren. Was halten Sie von solchen Angeboten? Denn von gemütlichem Wohnen mit individuellem Flair sind diese Angebote doch weit entfernt, oder?
Ja, da haben Sie ganz sicher recht. Neben der Küchenzeile zu schlafen, ist keine ästhetisch ansprechende Lösung und hat wenig mit der Grundidee unseres Segments gemein. Diese Hybridmodelle stammen häufig noch aus einer Zeit in der Serviced Apartments grade in kleinen Städten kaum vorhanden waren und es somit keine Alternativen gab. Heute werden diese Zimmer häufig für kurze Aufenthalte von Gästen gebucht, die sich etwas Unabhängigkeit wünschen bzw. aufgrund gesundheitlicher Aspekte auf eine kleine Kitchenette angewiesen sind. Häufig wissen
diese Gäste auch nicht, dass es Serviced Apartments gibt oder es gibt an der Destination kein entsprechendes Angebot. In jedem Fall sind diese Produkte nach meiner Einschätzung die Verlierer im Segment.

Gibt es eine Entwicklung in den letzten 5 Jahren, die Sie besonders beeindruckt?
Mich fasziniert immer wieder, wie stark das Wachstum unserer Branche in den letzten Jahren zugenommen hat. So haben wir seit 2013 kontinuierlich eine Steigerung der prozentualen Angebotserweiterung beobachtet und für 2017 erwarten wir sogar ein Wachstum von rund 20 Prozent. Im Kleinen kann man dies sehr schön in Frankfurt beobachten. Hier sind in den letzten zwei Jahren zahlreiche neue, tolle Serviced-Apartment-Produkte entstanden.

Wenn Sie sich etwas für das Segment wünschen dürften, dann wäre das?
Eine einheitliche Begriffsdefinition für das Segment. Noch immer gibt es für Serviced Apartments viel zu viele Namen und Wortschöpfungen, die den Gast verwirren und damit auch der Bekanntheit des Segments im Weg stehen. Wir haben in einer Arbeitsgruppe bereits einheitliche Begriffsdefinitionen für das Segment erarbeitet. Ich würde mir sehr wünschen, dass alle Betreiber im deutschsprachigen Raum diese einheitlich anwenden.

Am 17./18. November veranstalten Sie die SO!APART, eine Konferenz speziell für diese Nische. Welches sind die Hauptthemen und wer sollte die Konferenz besuchen?
Die Branche weiterbringen, mit Impulsen anregen, Entwicklungen in Gang setzen. – Das ist das erklärte Ziel der SO!APART . Unter dem Motto „Horizonte“ werden die Referenten und Teilnehmer der zweitägigen Fachtagung Entwicklungen, Möglichkeiten und Herausforderungen der Spezialimmobilie Serviced Apartments diskutieren. In diesem Jahr werden wir einen Schwerpunkt auf die zukünftige Entwicklung von Serviced Apartments legen. Einstimmen wird der Keynote-Speaker Gerriet Danz mit seiner Expedition Innovation. Unter anderem werden wir darüber hinaus der Frage nachgehen, wie zukünftig moderne Gästekommunikation zu einem perfekten Wohn-
Erlebnis des Gastes beitragen kann. Besonders spannend werden dürfte auch unsere Ideenwerkstatt, in dem Caroline Szymanski, Design Thinking Coach vom Hasso-Plattner-Institut das ‚Apartment der Zukunft’ gemeinsam mit den Teilnehmern auf den Prüfstand stellen wird. – Hier schließt die SO!APART nahtlos an Fragestellungen der Vorjahresveranstaltung an und beweist sich als bedeutsamer Branchentreffpunkt, aus dem langfristig wichtige Initiativen hervorgehen und in denen sich unterschiedlichste Fachleute engagieren – wie eben rund um das „Apartment der Zukunft“ oder das Label „The Best for Long Stays“.
Erstmals wird in diesem Jahr ein einzelner Standort genauer beleuchtet. – Dabei soll es um den Wirtschaftsstandort Stuttgart und sein Nachfrage-Angebot-Gap gehen. Armin Dellnitz, Geschäftsführer der Stuttgart-Marketing GmbH, wird dazu entsprechende Zahlen und Fakten liefern. Und: Auch unter den Entwicklern und Betreibern der benachbarten deutschsprachigen Märkte hat sich die SO!APART als wichtige Know-How-Drehscheibe etabliert. Passend dazu wird Heimo Rollet, Chefredakteur des österreichischen Fachmagazins Immobilienwirtschaft, die
Podiumsdiskussion „Österreich und Schweiz im Dornröschenschlaf ?“ leiten.

Unsere Fachtagung und Awardverleihung richtet sich an interessierte Fachbesucher, die Apartmenthäuser betreiben, leiten, entwickeln oder finanzieren und die die Gelegenheit nutzen wollen, Kontakte zu knüpfen, sich auszutauschen und neue Ideen voranzutreiben.

Hinweis: Programm und Anmeldung sind unter www.so-apart.de möglich. Certified ist mit einem Stand in der Ausstellung präsent und unterstützt die Awardverleihung als Jurymitglied.

 

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